Über das Projekt

“Grammatik und Dialogizität: Retraktive und projektive Konstruktionen im interaktionalen Gebrauch” (Leitung: Prof. Dr. Susanne Günthner)

Projektbeginn: 01.10.2010
Laufzeit:           3 Jahre

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt “Grammatik und Dialogizität: Retraktive und projektive Konstruktionen im interaktionalen Gebrauch” verfolgt das Ziel, auf der Basis der Untersuchung retraktiver (zeitlich zurückweisender) und projektiver (zeitlich vorwärtsgewandter) Konstruktionen einen Beitrag zu einer auf dem Konzept der Dialogizität aufbauenden Grammatik der gesprochenen Sprache zu liefern. Dem liegt die These zugrunde, dass der Begriff der Dialogizität die Möglichkeit bietet, zwei zentrale Aspekte einer “realistischen Sprachbeschreibung” in einem grammatiktheoretisch relevanten Sinne miteinander zu verbinden:

  1. Dialogizität als Organisationsprinzip der Interaktion: Grammatische Konstruktionen entfalten sich im interaktionalen Gebrauch linear in der Zeit. Dabei stellen sie fortlaufend Rückbezüge auf vorhergehende Äußerungen her und bauen Erwartungshaltungen in Bezug auf den weiteren Gesprächsverlauf auf. In diesem Sinne stellen sie keine autonomen, vom sequenziellen Kontext losgelösten Gebilde dar, sondern repräsentieren “Inter-Acts” (Linell 2008) im Rahmen eines dialogisch organisierten zeitlichen Ablaufs alltäglicher Interaktion.
  2. Dialogizität als theoretischer Ausgangspunkt der Modellierung von Konstruktionen: Dialogizität formt nicht nur die kontextgebundene und interaktive Aktualisierung grammatischer Strukturen im Gebrauch, sondern sie geht in Folge zunehmender Routinisierung in die kognitiven Muster ein, die den retraktiven und projektiven Konstruktionen zugrunde liegen. Diese dynamische und reflexive Beziehung zwischen Aktualisierung und Sedimentierung wirft grundlegende Fragen auf für eine Theorie gesprochener Sprache, die beabsichtigt, sowohl die dialogische Natur emergenter syntaktischer Strukturen als auch die Orientierung an Musterhaftigkeit im Gespräch zu erfassen.

Das Projekt “Grammatik und Dialogizität: Retraktive und projektive Konstruktionen im interaktionalen Gebrauch” wird bei seiner Arbeit an einem interaktions- und grammatiktheoretisch reflektierten Dialogizitätsbegriff auch an die Ergebnisse des von 2006-2008 geförderten DFG-Projekts “Grammatik in der Interaktion” anschließen, in dessen Rahmen die Arbeitspapierreihe “Grammatik in der Interaktion” (GIDI) entstanden ist. Aus diesem Grund werden die Projektergebnisse interessierten ForscherkollegInnen wieder in der GIDI-Arbeitspapierreihe zur Verfügung gestellt werden.