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gradia-Tagung

Münster, 13.6.2012 – 15.6.2012

Grammatik und Dialogizität: sequenzielle, syntaktische und prosodische Muster zwischen Emergenz und Sedimentierung

Neuere Ansätze zur Beschreibung der Grammatik gesprochener Sprache betonen, dass eine realistische Sprachbeschreibung die zeitliche Emergenz und die dialogisch-interaktive Handlungsbezogenheit grammatischer Strukturen im Interaktionsverlauf in ihrer Analyse berücksichtigen muss. Eine solche prozessorientierte und interaktionsbezogene Sprachbeschreibung basiert auf Konzepten wie Projektion, Retraktion, Emergenz und Dialogizität, die den echtzeitlichen Ablauf mündlicher Kommunikation erfassen können. Diese Konzepte setzen jedoch auch situationstranszendente Strukturen wie zum Beispiel Gestalten oder Muster voraus. Eine zentrale Frage für die Erforschung der Grammatik gesprochener Sprache lautet daher, in welchem Verhältnis lokale dynamische Prozesse auf der einen Seite und überzeitliche Strukturen auf der anderen Seite zueinander stehen. Diese Frage berührt nicht nur das Gebiet der Grammatik, sondern auch die Ebene sprachlichen Handelns.

Der Begriff der Dialogizität eröffnet eine vielversprechende Perspektive darauf, wie Wissen über grammatische Muster und Diskursstrategien als Voraussetzungen und Ergebnisse mündlicher Kommunikation untersucht werden können: Er erfasst einerseits den Umstand, dass grammatische Konstruktionen im zeitlich-interaktiven Ablauf fortlaufend Rückbezüge auf vorhergehende Äußerungen herstellen und Erwartungshaltungen in Bezug auf den weiteren Gesprächsverlauf aufbauen (Dialogizität als emergenzstiftendes Organisationsprinzip der Interaktion), und er kann andererseits als theoretischer Ausgangspunkt der Modellierung von Konstruktionen dienen, da die dialogisch geprägten Aktualisierungen grammatischer Strukturen in die Wissensbestände eingehen, die den grammatischen Konstruktionen und sozialen Aktivitäten zu Grunde liegen (Konstruktionen als Resultate der Sedimentierung dialogisch geprägter Muster).

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Tagung das Ziel, sowohl zu einer empirischen Untersuchung der emergenten Aktualisierung grammatischer Konstruktionen als auch zu einer theoretischen Diskussion der Tragfähigkeit des Begriffs der Dialogizität für eine Grammatik der gesprochenen Sprache beizutragen.

Koordination
Jörg Bücker
Benjamin Stoltenburg

Westfälische Wilhelms-Universität
Germanistisches Institut
Hindenburgplatz 34
48143 Münster

Tel.: +49 251 83 28344

Tagungsort
Festsaal im Schloss, Schlossplatz 5, 48149 Münster

Teilnahme
Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich zu den Vorträgen eingeladen (Anmeldung unter gradia@uni-muenster.de).

Programm
Die genauen Termine sowie Themen und Referentinnen bzw. Referenten können Sie der » Ankündigung entnehmen.